Grey Edition # 12

 

Uwe Lammers:

"Lustvoller Schrecken"

 

(Erotische Geschichten
aus anderen Welten
Band 1)

Cover Grey Edition #12 - (c) Norbert Schneider

Erotik und Phantastik werden leicht als unvereinbar eingeschätzt, dabei gehört gerade Ersteres zu den zentralen Inhalten menschlichen Sozialverhaltens. In dem vorliegenden Band wird auf 176 Seiten gezeigt, dass es sich um eine äußerst kompatible Mischung handeln kann. Dabei geht sinnliche Verlockung zugleich einher mit erschreckenden Konsequenzen, womit der Titel in jeder Hinsicht gerechtfertigt ist.
In drei Novellen, zwei davon erstmals veröffentlicht, stoßen Menschen an die Grenze zwischen Lust und Schrecken, sowohl auf der Erde wie auf fernen Welten:

  • "Sexdrohne" kombiniert den Cyborg-Gedanken mit einem totalitären Anspruch auf menschliche Sexualität und verschränkt dies mit idealistischen Vorstellungen von Liebe.

  • "Der Handspiegel" zeigt auf, wie aus einer Wunschvision ein Alptraum wird, aus dem Entrinnen unmöglich erscheint.

  • Und in "Sylphengeflüster" erlebt eine junge Raumfahrerin unter einer fernen Sonne auf der Spur der Vergangenheit einen Erstkontakt der besonders fremdartigen Sorte.

Der zweite Teil mit weiteren erotischen Kurzgeschichten von Uwe Lammers wird als 13. Themenband der GREY EDITION-Reihe im Jahre 2019 beim TCE erscheinen.

Uwe Lammers, Oktober 2018


Leseprobe:

Sexdrohne

"Ruhe bitte. Ich muss noch einiges sagen!"
Der Manager schwieg still und lauschte dem schönen Mädchen, dessen offenkundige Reize zu ignorieren inzwischen fast unmöglich war. Seine Blicke irrten ständig zu ihrem wundervollen, weiblichen Körper ab. Master wusste nicht mehr exakt, ob er sich wirklich zurückhalten konnte, wenn sie es darauf anlegte, ihn zu verführen. Es schien ja wohl nicht möglich zu sein, die Kammer vor Ablauf der Stunde zu verlassen.
Schlimmer noch, er wusste nicht mal, ob er das wollte …
Claire erodierte seine Grundsätze allein mit ihrem schönen Aussehen, ihrer Fügsamkeit und dieser wundervollen Stimme.
"Du hast nur die Wahl, ob du mich willst oder ob du mir Qualen bescheren möchtest", fuhr sie fort. "Der linke Adapter ist nur dreimal zu gebrauchen, zwei davon sind verbraucht. Wenn du mich nicht vögeln willst, unterwirfst du mich der Qual, denn ich werde eine Stunde lang aus dem Raum nicht herauskommen. Du hast ja gesehen, in was für einen Zustand ich gerate, und das wird dann für den Rest dieser Zeitspanne mein unvermeidlicher Zustand sein ..."
Die Vorstellung, dass Claire wieder von Schüttelfrost und quälenden Schmerzen heimgesucht wurde, die Entzugsschmerzen nicht unähnlich waren, und das alles unausweichlich eine Stunde lang, das tat ihm selbst weh. Er mochte sie nicht leiden sehen. Jetzt begriff er ihren verbissenen Zorn von eben sehr gut.
Aber von Begreifen konnte immer noch keine Rede sein.
"Was ist die Alternative?"
"Das goldene Adapterkabel", erklärte das Mädchen mit indifferentem Ge-sichtsausdruck. Freude schien das nicht unbedingt zu sein, eher so etwas das kleinere Übel, das man in Kauf nahm, um schlimmeres Leiden abzuwenden. "Es ist der Aktivator des Lustprogramms. Mehr kann ich dazu jetzt nicht erklä-ren, dafür reicht die Zeit nicht. Sag mir am besten JETZT, was du mit mir machen möchtest, wie du dein Mädchen am liebsten magst."
"Aber ... ich ..." Er zögerte, seine Gedanken verhedderten sich erneut. Mit dieser Art von Zwickmühle hatte er sich nicht auseinandergesetzt, weil ihm ja die Strategie klar vor Augen gestanden hatte: Ich gehe mit der Hure ins Zimmer und rede nur mit ihr. Mehr passiert nicht. Claire – und vor allen Dingen die technischen Abläufe in diesem widernatürlichen Lusthaus – hatten diese Strategie zu Makulatur gemacht, und eine Alternativstrategie hatte sich Master nicht zurechtgelegt. Verdammt noch mal! "Ich habe nicht vor ... ich weiß nicht."
"Willst du den aktiven Part machen, oder soll ich die Führung übernehmen?", konkretisierte das Mädchen, das auf der Uhr über der Tür sah, dass die Zeit verstrich, resolut.
"Letzteres, wenn schon, bitte", seufzte Allen Master erledigt.
Er war so schrecklich unentschlossen. Wenn er so verhindern konnte, dass sie litt ... dann sollte es wohl so sein. Aber er verstand nicht die Hälfte dessen, was hier vorging.
"Lass mich ... einfach ... machen ...", keuchte das blonde Mädchen hektisch. Er sah, dass die Zeit ablief und wollte schon nach der Karte greifen, doch Claire hielt ihn noch zurück. "Nicht ... oh ... nicht ... bitte ... ich ... habe doch gelernt ..., Schmerzen ... etwas ... auszuhalten ... hrrnn ... gar nicht ... so ... leicht ... aber immer noch besser ... als ... in ... der Stand ... leitung ... oh Gott ..." Sie bäumte sich wimmernd auf, konnte die Belastung nicht mehr leugnen. Ihr Gesicht verzerrte sich gepeinigt, und Krämpfe schossen durch ihren Körper, bis sogar die Zehen zuckten.
Das war unerträglich.
Kurz entschlossen schob Master die Karte wieder in den Schlitz und schloss das Mädchen erneut ein letztes Mal an das silberne Kabel an. Schon während der Ladeprozedur öffnete Claire die nun etwas glasig stierenden Augen und lallte fast die nächsten Worte. "Herr ... ich ... muss dich bitten ... zieh ... dich aus ... hrrmmm ... normalerweise ... mache ich das. Aber die Zeit ... du verstehst das ... nachher sicherlich. Hinterher KANN ich reden... aber nicht... jetzt ..."
Als das Kabel sich zurückzog, sprudelte das hüllen- und schamlose Mädchen weiter, nun deutlich flüssiger redend – aber gehetzt von der wahnsinnig schnell dahintickenden Zeit, die Claire blieb. Sie hatte nur fünfzig Sekunden. "Es ist so schrecklich viel zu sagen, aber ich habe keine Zeit dafür. Nur so viel: Gleich läuft ein PROGRAMM ab. Versuch dich bitte nicht zu sträuben. Es ist sehr lernfähig, hat aber seine Schwächen. Versuch nicht, mit mir zu reden, das wird sowieso nicht klappen. Wenn du mich an die andere Einheit anschließt, an das goldene Kabel, dann wirst du sehen, dass ich etwa fünf Minuten lang einen Dauerorgasmus habe, sicherlich ein schöner Anblick für dich. Danach läuft das Programm."
Er sah, wie sie tief erschauerte, und diesmal tat sie es eindeutig aus Vergnü-gen. Sie FREUTE sich auf die Lust. Auf diesen computerinduzierten Superor-gasmus. Master fand es nur unheimlich. Doch er nickte.
"Okay", sagte er. "Ich ... ich versuche, mich daran zu gewöhnen."
"Fang jetzt an mit dem Ausziehen ... bitte", flüsterte sie, reckte sich etwas und küsste ihn fragend und ein wenig lockend.


Impressum:

Grey Edition 12
"Lustvoller Schrecken"
ist ein nichtkommerzielles Fanzine des TCE (Terranischer Club EdeN).
Grey Edition 12 erscheint im Oktober 2018.
DIN A5-Broschüre, Umfang: 176 Seiten; Auflage: 115 Exemplare
Preis: 6,50 EUR zzgl. Versandkosten
© Cover: Norbert Schneider
Innenillustrationen: Norbert Schneider, Heidi Koch

In unserem Online-Shop könnt Ihr das Fanzine direkt bestellen.
Oder auch per E-Mail an tceorder@terranischer-club-eden.com


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Letztes Update dieser Seite am 08.10.2018.